Wie Was Warum
Wie Was Warum
Wie, Was, Warum:

Wir hoffen, dass wir Ihnen auf dieser Seite die eine oder andere Frage beantworten können.

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Flashover
Flashover: Völlig zerstörte einlagige Einsatzkleidung
Flashover
Flashover: Brandrauch zündet über den Köpfen der Feuerwehrmänner durch
Backdraft
Backdraft: Explosionsartige Durchzündung der Brandgase
Ausbildung
Flashover: Realbrandcontainer für eine realitätsnahe Ausbildung
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Warum ist Feuer heute gefährlicher?

Eigentlich müsste man denken, dass sich seit der Entdeckung des Feuers nicht mehr viel daran verändert hat. Doch aus Feuerwehrkreisen ist immer wieder zu hören, dass das Feuer heute wesentlich gefährlicher ist als früher. Mit früher ist nun nicht gerade die Steinzeit gemeint. Man spricht hier über einen Zeitraum von lediglich 10–15 Jahren. Vergleicht man dann noch die heutige Einsatzkleidung mit der Einsatzkleidung von früher – also von vor ca. 15 Jahren, könnte man vermuten, dass es sich bei der stetigen Weiterentwicklung der Einsatzkleidung um rein wirtschaftliche Interessen der Industrie handelt. Der Autor selbst hat seine Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger noch in einen einfachen blauen Overall absolviert. Später wurde diese Kleidung durch schwarze, einlagige Latzhosen und ebenfalls einlagige rote Jacken ersetzt. Auch eine spezielle Flammschutzhaube für den Kopf oder spezielle Handschuhe zur Brandbekämpfung gab es nicht.

Es muss immer erst etwas passieren

Am 28. April 1995 ereignete sich in Marburg (Hessen) ein folgenschwerer Brand in einem Squash-Center, bei dem es zu einem Flashover (Rauchgase zünden mit einer enormen Hitzeentwicklung durch) kam. Bei diesem Einsatz wurden zwei Feuerwehrmänner schwerstbrandverletzt. Zwei weitere erleiden leichte Verletzungen. Bereits seit dem Jahre 1980 wurde in Hessen über Schutzkleidung diskutiert. Erst im August 1995 wurden 12 Millionen DM für 16000 neue Einsatzgarnituren bewilligt und an die Freiwilligen Feuerwehren verteilt. Für jedes Atemschutzgerät, das nach Norm(!) auf einem Fahrzeug verlastet war, erhielten die Freiwilligen Feuerwehren je eine Einsatzgarnitur. Da die Einsatzkleidung zur persönlichen Ausrüstung gehört, war das nächste Problem vorprogrammiert.

Feuerwehr Schutzkleidung Dem unermüdlichen Einsatz und das große Engagement des damaligen Leiters der Marburger Feuerwehr ist es zu verdanken, dass sich seit diesem Unfall in punkto Feuerschutzkleidung wirklich etwas bewegt hat. Moderne Schutzkleidung ist heute– auch bei den Freiwilligen Feuerwehren - eine Selbstverständlichkeit.

Bild links: Atemschutzgeräteträger mit moderner Feuerschutzkleidung und Brandschutzhauben zum Schutz des Kopfes

Was hat sich verändert?

Tatsächlich ist es so, dass sich im Laufe der Zeit vieles verändert hat. Andere Baustoffe, ein hoher Anteil an Kunststoffen, die Brandlast in Gebäuden hat sich vervielfacht, Bauordnungen wurden geändert etc. Je besser ein Gebäude isoliert ist um so weniger Sauerstoff gelangt zunächst an den Brandherd und das Feuer entwickelt sich ganz anders als früher. Durch die vielen Kunststoffe in den Gebäuden entsteht eine Unmenge an gefährlichem und brennbarem Brandrauch, der sich immer mehr erhitzt und schließlich, wenn er sich mit Sauerstoff vermischt, (Tür wird geöffnet, Fensterscheibe zerplatz) oft schlagartig mit einem extremen Temperaturanstieg durchzündet. Ein rechtzeitiges Entweichen der gefährlichen Brandgase – evtl. noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr – wird oft durch die gute Gebäudeisolierung und die Doppeltverglasung der Fenster verhindert.

Bei der Durchzündung von Brandgasen spricht man häufig von: Flashover, Backdraft, Rollover, Rauchgasdurchzündung etc. Teilweise verbrennt der Brandrauch explosionsartig, was wiederum einen hohen Druckanstieg zur Folge hat. Wie dem auch sei. Diese Situation ist extrem gefährlich. Nur eine gute Ausbildung und die entsprechende Schutzkleidung können dazu beitragen, dass Unfälle wie in Marburg auf ein Minimum reduziert werden können oder zumindest die Folgen nicht so fatal sind. Ein Restrisiko wird aber immer bleiben. Da bei der Durchzündung der Brandgase Temperaturen von mehreren hundert Grad entstehen, sollte klar sein, dass man mit einer Schutzkleidung so wie früher üblich, keine Chance hat. Auch die kleinste Nachlässigkeit beim Anlegen der Schutzkleidung kann hier fatale Folgen haben.

Flashover & Co.

Die nachfolgenden Erläuterungen sind bewusst einfach gehalten, da es sich bei der Entstehung eines Flashover, Backdraft etc. um einen sehr komplexen Vorgang handelt und die Unterscheidung oft nur sehr schwierig ist. Wir wollen an dieser Stelle lediglich auf die Thematik hinweisen und Ihnen das Thema etwas näher bringen. Manche, für den Laien oft unverständliche Handlungsweise der Feuerwehr, erklärt sich Ihnen dann evtl. von selbst. Einsatztaktische Maßnahmen wie das kontrollierte Einschlagen von Fensterscheiben oder das Öffnen eines Daches um die heißen Brandgase abzuführen; sollte man nicht einfach als amateurhaft oder als “Rambo-Manier” bezeichnen. Vielmehr sind dies notwendige, taktische Maßnahmen. Auch das vermeintlich sinnlose: in den Rauch spritzen, macht richtig angewandt Sinn, denn somit können die heißen Brandgase abgekühlt werden und ein Flashover evtl. verhindert werden.

Explosionsgrenze

Als Explosionsgrenze werden die beiden Schranken des Bereiches der Konzentration brennbarer Gasen in einem Gas-/Sauerstoffgemisch bezeichnet. Sie trennen den Bereich, in dem ein Gasgemisch gezündet werden kann, von den Bereichen, in denen es nicht gezündet werden kann. Der zündfähige Bereich befindet sich zwischen den Schranken und wird als explosionsfähige Atmosphäre bezeichnet. Er stellt eine Mischung eines brennbaren Gases mit Sauerstoff oder Luft dar. Außerhalb der Schranken ist das Gemisch nicht zündfähig. Die Schranke bei der niedrigeren Konzentration wird als untere Explosionsgrenze (UEG) und die bei der höheren Konzentration als obere Explosionsgrenze (OEG) benannt.

Flashover

Der Rauch hat die UEG bereits überschritten und beinhaltet große Mengen brennbarer aber unverbrannter Gase. Im Rauch herrscht Sauerstoffmangel, (die Fenster sind geschlossen) deshalb erfolgt zunächst keine Zündung, die brennbaren Gase reichern sich weiter an. Begünstigt durch den heißen Rauch (von oben) gasen feste brennbare Stoffe aus, sie erreichen Ihren Zündpunkt, zünden dann irgendwann.

Durch Sauerstoffmangel (viel Rauch) wird das Feuer eher kleiner, der heiße Rauch, der sehr viel mehr Platz braucht als die kalte Luft zuvor gebraucht hat, erzeugt einen Überdruck, Rauch wird als allen Ritzen gedrückt. Durch die gleichen Ritzen kommt frische Luft in den Raum, das Feuer wird wieder größer usw.

Bei Sauerstoffzufuhr (Tür wird geöffnet, Fenster zerbricht) zünden die brennbaren Gase durch. Es entsteht ein Druckanstieg, der ganze Raum steht samt Inhalt schlagartig in Flammen.

Backdraft

Sehr viele brennbare aber unverbrennbare Gase sind im Rauch, die OEG ist weit überschritten. Feste brennbare Stoffe gasen aus und haben ihren Zündpunkt erreicht, evtl. schon gebrannt. Der Sauerstoff im Zimmer ist verbraucht, das Feuer wieder ausgegangen.

Die abkühlenden Rauchgase ziehen sich zusammen, ein Unterdruck entsteht, Luft wird angesogen. Bei genügender Vermischung mit dem Sauerstoff zünden die brennbaren Gase explosionsartig mit entsprechender Druckausbreitung voll durch. Der ganze Raum steht schlagartig in Flammen.

Das folgende Einsatzvideo zeigt die Gefährlichkeit eines Backdrafts. Klicken Sie auf das Steuerelement um das Video zu starten.

Quelle: YouTube

Zimmerbrand Demonstration mit Flashover

Hier sehen Sie an anhand eines Versuchsaufbaus der Universität Karlsruhe einen Flashover von seiner Entstehung bis hin zur Durchzündung und der damit verbundenen völligen Zerstörung des gesamten Zimmers. Der Film zeigt in beeindruckender Art und Weise, wie sich der gesamte Raum immer mehr mit Rauch füllt, die Temperatur stetig ansteigt, und schließlich kommt es zu dem gefürchteten Flashover.

Klicken Sie auf das Steuerelement um das Video zu starten.

Quelle: Universität Karlsruhe

 

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